Wir müssen noch mal auf unser neues Heim zu sprechen kommen und euch erzählen, dass wir jetzt stolze Besitzer (auch im wahrsten Sinne des Wortes) eines Sofas sind. Wir sind deshalb bestimmt 7 Mal bei IKEA gewesen, weil wir uns lange nicht entscheiden konnten. (Die übrigen Möbelgeschäfte verkaufen leider meist nur so biederen Kram, daher blieb nur noch das schwedische Unternehmen übrig...) Es ist ein türkises Ledersofa und macht sich extrem gut wie wir finden. Es ist ein komisches Gefühl plötzlich ein vom eigenen Geld gekauftes nagelneues Sofas zu besitzen. Bisher waren alle unsere Möbel immer aus zweiter Hand, aus Kindertagen, von der Oma, selbstgezimmert oder allerhöchstens mal ein Holzregal bei IKEA erworben. Wir fühlen uns jetzt so erwachsen damit... Neulich unterhielten wir uns mit deutschen Freunden, die auch hier leben. Hanno meinte, er habe immer gewußt, wenn er eines Tages mal eine Schubkarre besitzen würde, sei er erwachsen. Das ist nun der Fall!
Sacha hat neulich eine fette Motorsäge gekauft und auch die gibt ihm jetzt das Gefühl, "zum Klub" dazu zu gehören. Und ich habe jetzt "Hamra", besagtes Sofa.
Auf Hamra mussten wir bestimmt fünf Wochen warten und doch kam sie früher als erwartet. Und zwar mit der Post. Nachdem ein Termin vereinbart worden war, fuhr irgendwann ein riesiger Laster vor, zwei Männer kletterten mit Hamra heraus und sprachen ein mir recht unverständliches Norwegisch. ich war extra bei der Bank gewesen, um die Kröten bar überreichen zu können (wir haben noch keine norwegischen Bankkarte), aber Bares wollten sie nicht. Das ist mir noch nie bisher passiert! Meine Visakarte funktionierte komischerweise nicht und meine Maestrokarte aus Deutschland wird hier von den Systemen sowieso nicht akzeptiert. Ein IKEA-Mensch schaltete sich per Telefon ein und so ging es dann eine Weile zwischen Lastwagen, Post und Möbelunternehmen hin und her. Schließlich durfte ich das Sofa behalten, es stand die ganze Zeit ungeduldig wartend im Garten rum, und mir wurde eine Rechnung angekündigt. Gut, warum denn nicht gleich so!
Dann ging es ans Auspacken und Zusammenbauen. Natürlich war auch eine Kleinigkeit nicht in Ordnung, aber immerhin: die Farbe stimmt, die Größe - und hoffentlich auch der vereinbarte Preis. Am Ende stand unser neues Sofa schelmisch grinsend und aufgebaut an Ort und Stelle, während wir in den Müllbergen ertranken. So war das also gedacht. Das Sofa wollte sich heimtücksich unseren Wohnraum erobern und von nun selbst bestimmen, wer auf ihm Platz nehmen dürfe und wer nicht. Doch am Ende des Abends gewannen wir den Kampf und thronen fortan siegesicher auf Hamra.
Den Plastikmüll haben wir mit schlechtem Gewissen weggebracht. Ja, es war so viel, das unsere Mülltonnen wahrscheinlich gleich voll gewesen wären. Zumal hier in der Regel nicht groß getrennt wird. Die meisten Leute hier haben gerade mal Papier und Restmüll. Wir haben außerdem einen Komposthaufen und fahren immer pflichtbewusst zu den Entsorgungsstellen für Plastik, Glas und Metall. (Unsere Vermieterin, die selbst ein bißchen öko und alternativ drauf zu sein scheint, hat uns darauf aufmerksam gemacht. Sie gestand uns, dass sie Glas manchmal in den Restmüll werfe und auch die Milchtüten... Dabei hat sie so komisch erzieherisch geguckt, als glaube sie, dass man in Deutschland von Mülltrennung noch nie etwas gehört hätte.
Viele dieser Entsorgungscontainer gibt es hier allerdings nicht. Lässt darauf schließen, dass Mülltrennung nicht so angesagt ist. Diese Container sind übrigens auch nicht besonders "aufnahmewillig".: Unsere Plastikverpackungen durften wir durch eine schmalen Spalt quetschen, während die Pappe zwischen engen Streben hindurchgepresst werden konnte... Dennoch: neulich kam ein Aufklärungsbroschürchen ins Haus, das zur Mülltrennung aufforderte und an das Umweltbewusstsein der norwegischen Haushalte appellierte. Erstaunlich war, dass der Broschüre entnehmen konnte, in welcher Fabrik, welches Material wo sortiert und recyled wird: das Plastik geht z. B. nach Skåne in Schweden, Papier nach Nordnorwegen und elektronischer Abfall nach Ostnorwegen... das klingt doch auch ziemlich erwachsen, oder nicht?
Donnerstag, 13. März 2008
Ein neues Sofa, erwachsen sein und Mülltrennnung
Montag, 10. März 2008
Wohnen am Fjord
unser Gewächshaus...
Beim Spaziergang entdeckt.
Der Blick ausm Fenster
Samstag, 8. März 2008
Regenschirme
Heute ist unser zweiter Regenschirm auf natürliche Weise verschieden. In Zeiten des Sturms liegen an jeder Straßenecke Reste von ehemals prächtigen Paraplys (norw. für "Regenschürm") und jetzt wißt ihr auch warum. Ein Schirm, der mehr als zwei Bergenser Regentage überstehen will, muss robust sein. Meine Studenten werden übrigens demnächst einen Regenschirmtest durchführen und ihre Ergebnisse als Podcast veröffentlichen. Teststrecken werden der Torallmening, also der zentrale Platz hier in Bergen und die Spitze der Halbinsel Nordnes sein, wo es bekanntlich die meisten Schirme zerreißt.
Hier könnt ihr die hilflosen Bemühungen einer unbekannten Passantin beobachten, die verzweifelt versucht, gewisse Tatsachen zu ignorieren....
Dienstag, 26. Februar 2008
skandinavischer Humor
Wir sind auf einen aufschlussreichen Artikel/ Radiobericht über die "schwedischen Ostfriesenwitze" gestoßen. Die Opfer sind natürlich die Norweger. Aber es geht auch genauso gut andersherum. In Norwegen erzählt mann sich die gleichen Witze, nur sind dann die Schwedenn die Dummen.... hier geht es zum deutschsprachen Radio Sweden.
Sonntag, 10. Februar 2008
Gipfelstürmer
Bei diesem tollen Wetter sprach nichts gegen "en liten søndagstur". Wir hatten eine Wegbeschreibung in einem Wanderbuch gelesen und eine Karte dabei. Außerdem ein paar Nüße zum Knabbern. Nachdem der Weg mit einer asphaltierten Straße begonnen hatte, waren wir auf einen gemütlichen Spaziergang eingetellt.
Freitag, 9. November 2007
Polkabjørn & KleineHeine
Einen unserer ersten sozialen Kontakte und eigentlich den ersten Abend in einer Kneipe hatten wir mit Björn. Björn war einfach da. Als er erfuhr, daß wir Deutsche seien trug er eine Strophe eines bayerischen Liedes vor, die in etwa so ging: " Mein Vater ist ein Apenzeller jodelidili"
Danach lehnte er sich zurück und sah zufrieden aus. Bis er wieder ansetzte: die nächste Strophe mußte dran glauben und wir schauten verunsichert.
Irgendwie seltsam unser erstes Zusammentreffen mit einem Norweger.
Aber als er dann auf die Bühne schritt und anfing diese deutschen Texte auch noch zu singen und dabei zu jodeln, brach für uns endgültig die Welt zusammen. Warum jodeln, warum in Norwegen??? Doch wir begriffen schnell, dass dereilei analytischen Fragen hier fehl am Platze waren und wir uns von dieser unglaublichen Stimme und dem Schalk, den Polkabjörn im Nacken sitzen hatte, genauso begeistern ließen wie der Rest der Zuschauer. Die Musik auf der Open-Stage-Bühne wandelte sich von Hintergrundmusik zum Hauptact. Und ob ihr´s glaubt oder nicht, es hat es auch seine Reize in einer norwegischen Kneipe einen Norweger von den Apenzellern singen zu hören!
Na OK genug geschrieben, hört und urteilt doch einfach selbst.
Wir jedenfalls wurden zu treusten Fans von Björn und Heine, die reichlich Auftritte in Bergen haben unter anderm auch auf dem Oktoberfest hier (ja, Kunta du bist nicht der einzige Impoteur in Skandinavien).
Und hier noch unser Lieblingslied:
Freitag, 2. November 2007
Das setzt dem Ganzen ja wohl die Krone auf!
All das beherrschten wir letztes Jahr schnell aus dem Eff-Eff, denn wir wohnten in einer Stadt, in der einige Straßen Gemüse – und Obstnamen trugen: Kartoffelgasse, Melonenstraße, Erbsenweg...
Dieses Jahr können wir leider keine lustigen Strassennamen bieten, wir wohnen hier sehr seriös, alle Straßen in der Gegend hier sind nach Menschen aus dem Königshaus benannt, deshalb heißt das ganze Viertel auch Kronstad. Und aus Respekt vor soviel Adel findet man im ganzen Vorort Kronstad keine einzige Kneipe oder Cafe!
Dafür liegt hier das Fußballstadion Bergens. In diesem Stadion spielt Brann, der örtliche Fußballverein, der seit der Wikingerzeit nicht mehr norwegischer Meister war und noch vor zwei Wochen kurz davor war. Und hier beginnt auch unsere erste Geschichte:
Bergen – ein Herbstmärchen
Sascha lernte fleißig Brann-Anfeuerungslieder im Norwegischkurs. Auch lernte er, dass Brann gewiß Meister werden würde, es seien nur noch drei Spiele und nur das nächste muss Brann gewinnen - leichter Gegner....!!! Und so standen wir, wie alle Bergenser, die nicht im Stadion sein durften auf dem Festplatz in der Innenstadt und starrten gebannt auf die Publicviewing-Leinwand. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen, wir versprachen uns –und auch dem extra aus Berlin angereisten Besuch - sich tränenüberströmt, in den Armen liegende Norweger.... Anpfiff ... und kurz vor der Pause der erste Treffer gegen Bergen, die ich keinen Zacken aus der Krone brachen.
Aber kein Wunder, solch ruhige Fans! Klatschen war das höchste der Gefühle und ab uns zu ein leiser Seufzer. Nach der Pause gings dann so weiter wie davor, zweites Tor gegen Brann. Ein Elfmeter für Bergen wurde gehalten und dann endlich das ersehnte Anschlusstor. Zum Schluß noch zwei Pfostenschüsse hintereinander und Abpfiff.
Da standen wir nun, wussten nicht ob wir und freuen (mein netter Norwegischlehrer ist ja immer gehen Bergen) oder weinen sollten (kein Feuerwerk). Wir quetschten uns durch die vollen Straßen und waren von heulenden Bergensern umgeben.
Wir verpeilten Fußballfans erfuhren dann ein paar Tagen später, dass wenn irgendeine andere Mannschaft, die gut ist, gegen eine noch andere Mannschaft, die schlecht ist, verliert und der König von Norwegen gleichzeitig einen........ dann könnte Bergen doch noch Meister werden.
Und dann: das Unglaubliche: Feuerwerk allüberall in den Bergen und wir wussten Brann ist Meister. Die Emotionen entluden sich in Hupkonzerten (ist ja auch trockener im Auto sitzen zu können). Und wir konnten die Nacht schlecht einschlafen, da die Autohupkonzertroute scheinbar immer wieder zum Stadion führte. Aber dafür konnten wir im Norwegischunterricht singen und singen.
So viel Fußball - obwohl ja eigentlich nur Minka Fan der deutschen Nationalmannschaft ist und auch das nur aus beruflichen Gründen.
Diese Trommler standen nun auch wieder in der Fußgängerzone Bergens, im Regen hatten goldene Zylinder auf den Köpfen und eine Herrschar Brannfans hinter sich versammelt. Und los gings mit Polizeieskorte durch die Straßen.
Wir hatten genug gesehen und fuhren mit dem Auto nach Hause. Zu unserer Überraschung hatten die trommelnden Herren uns verfolgt, liefen also den langen Weg von der Innenstadt bis zu uns mit ihren Trommeln und den Fans im Schlepptau. Das letzte Spiel. Es ging um nichts, Brann war ja schon vorher Meister, aber gefeiert wurde natürlich trotzdem ausgiebig (ohne einen in der Krone zu haben - Alkohol im Stadion und auf der Straße ist nämlich verboten. Falls doch mal ein Fan eine Dose Bier dabei hat wird sie, wie vor unserer Haustür, von einem freundlichen Polizisten aus der Hand gerissen und deren Inhalt auf die Straße gegossen).
So wohnen wir also. Es ist auch ohne Kartoffeln und Cafés immer viel los bei uns! :-)
(Keine Sorge, der Film dreht sich noch, der Ton bleibt jedoch aus, leider...)
Zurück ins Studio!