Samstag, 31. Mai 2008

Sommer!!!

Die Sonne scheint seit Wochen, die Luft wird wärmer und wärmer. Die Regenkurve, die täglich in der Zeitung bekannt gegeben wird, liegt seit langem fast bei 0,0 ml/ Quadratmeter.
Bis Mitternacht ist es hell und dannach hüllt uns zärtlich eine blaue Dämmerung ein. Alles blüht und lebt auf. Auf dem großen Platz in Bergens Zentrum geht es nachts zu wie in Italien. Plötzlich so viele Menschen, Stimmen und Sommerkleider, die sich auf den Steintreppen tummeln. Nur die Cafés fehlen noch. Aber an lebendigen Menschengetümmel und Musik mangelt es nicht. Bergen im Sommer ist eindeutig nicht das Bergen im Winter. Ist aber auch nicht verwunderlich! Nach all der trüben, dunklen Zeit, wissen wir das Licht und das lang anhaltend gute Wetter sehr wohl zu schätzen. Inzwischen ist es sogar so warm geworden, dass wir uns ernsthafte Sorgen um das Wohlergehen unseres Gartens machen. Womit man sich alles auseinandersetzen muss! Sascha hat sich deshalb gerade auf den Weg gemacht, eine Erweiterung für unser Rasensprenger-Set zu erwerben.
Natürlich verbringen wir unsere Zeit nun weniger vor dem Computerbildschirm, sondern tüfteln im Garten oder gehen wandern. Doch im Moment sind wir meistens abends in der Stadt und lassen uns von der derzeitgen Festivalstimmung verzaubern. Die Festspiele, Jazzfestival, Literaturfestival und vieles mehr bringen die Stadt zum Beben. (Minka schleppt immer ihr Aufnahemgerät mit plant mal wieder ein kleine Sendung dazu anzufertigen. Dazu hoffentlich bald mehr.) Beinahe täglich treffen wir Polkabjørn, das norwegische Jodeltalent, das auf diesen Seiten schon mal ausführlich besprochen wurde, um ihn bei seinen Freiluft-Konzerten über den Dächern Bergens zu begleiten. Er hat drei Mal täglich einen kurzen Auftritt im Rahmen des Oioi-Festival (Konzerte nach dem Prinzip "umsonst und draußen"). Dabei stehen er und drei weitere Künstler nach den vier Himmerlsrichtungen verteilt auf den Dächern und lassen ihre Stimmen über die Stadt erschallen. Die Mitstreiter bzw. ihr ethnischer Gesang kommen aus dem Irak, Asien und Hardangerfjord in Norwegen. (Im Podcast dazu mehr.) Nach den Konzerten sitzen wir in der goldenen Abendsonne auf "Bjørns Dach" und philosophieren über Sprachen, Dialekte, den Sommer oder das Leben ...

Bilder gibt´s immer noch keine, aber dafür hier noch ein Musiktip für die musikinteressierten Leser. Eine fetzige, norwegische Frauenband mit demlustigen Namen "Katezenjammer". Leider haben wir sie noch nicht live erlebt, aber wir haben ja noch 4 Jahre Zeit....

Donnerstag, 15. Mai 2008

Funkstille, Ruhe im Karton und aus die Maus

Der letzte Eintrag ist schon ein Weilchen her. Doch: Die Ruhe in diesem Blog ist trügerisch und nur vorübergehend - so viel sei versprochen. Verschuldet hat das, das in Tartu vergessene Aufladegerät zu Minkas Computer. Wir leben also zur Zeit ganz ohne Computer, Internet und Skype zu Hause und widmen uns dafür um so mehr dem herrlichen Sonnenschein, unserer "Kolchose" und der schönen Umgebung von Bergen.

Hinter uns liegt eine schöne Woche mit alten Freunden und Traditionen in Estland, einige gemütliche Tage in Olso und überall, wo wir hin kamen, schien die Sonne :-)

Bergen ist inzwischen die Hauptstadt des Rhododendron und ganz Norwegen sieht voller Spannung dem einen sommerlichen Höhepunkt des Jahres entgegen: dem 17. Mai. Nationalfeiertag und in der Ausführung beinah so was wie in anderen Ländern Karneval. Seit Wochen kann man Produkte in den Natonalfarben kaufen von der Trillerpfeife bis zur Serviette. Die Kostüme - äh, die Trachtenkleider werden an die aktuelle Körpergröße angepasst und die Kinder sehnen sich diesem Tag entgegen, weil sie dann Würstchen und Süßkram essen dürfen bis sie platzen. Meine Kollegin erzählte mir heute, dass ihr kleiner dreijähriger Sohn beim Frühstück gestand, dass er die letzte Nacht nicht geschlafen hat, weil er sich so unentwegt auf den 17. Mai freut... (meinem Bruder erging es so mit Sylvester oder seinem Geburtstag). Wir freuen uns auch schon sehr auf diesen Festtag, nicht zuletzt weil dann auch Minkas Mutter anreisen wird.

Bilder werden und Berichte werden folgen. In der Zwischenzeit können unsere lieben Leser ja mal Hörer werden - und zwar hier.

Bis dahin viele Grüße aus Norwegen! Besonders an Gunnar und seine zukünftige Frau Sabine, die sich demnächst das Jawort zuhauchen werden! Habt ein schönes, ausgelassenes Fest!

Dienstag, 22. April 2008

Landwirtschaftliche Neuigkeiten

Nachdem nun das Gartensenter 36 Samentütchen an uns losgeworden ist, habe ich, Minka (denn Sascha schützte Estland-Arbeitsprojekte vor), das ganze sonnige Wochende lang, die herrliche Gartenluft geatmet und zwischendurch mal schnell ein paar Beete angelegt, Unkraut gezupft und Samen in der Gegend verkrümelt. Das war gar nicht so ohne! Denn in den Muskeln machte sich alsbald ein bekanntes Gefühl breit - Übersäuerung oder so... Zwischendurch rufen wir uns immer zu: Guck mal da ist wieder der Tanker nach England! Oder: sieh mal der Spinner vom Dienst ist auch wieder unterwegs! Und der Höhepunkt: Oh, ein Dreimaster! Ach, das Segelschuschiff!Bald werden in unserem Garten Radieschen, Möhrchen, Kartöffelchen, Erbschen, Böhnchen und Kräuterlein wachsen, gedeihen und hoffentlich genießbar aufm Teller landen. Das macht echt Spaß!
Dass am Wochende auch kräftig gerastet wurde beweisen dieser Bilder:FrühstückAbendbrot( Grillen)

Mittwoch, 16. April 2008

Frühling, Giersch und Gartencenter

Nu is ja schon wieder ein wenig Zeit ins Land gegangen...der Schnee ist geschmolzen und die Vögel schlagen ordetlich Krach am Morgen - wie sagte Minkas Vater immer, wenn es soweit war: Der Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte... ! Und wie!!! Die Sonne scheint den lieben, langen Tag, noch geht ein kühler Wind und Saschas muss morgens ... doch das hält die Bergenser nicht ab, sich auf den Sonnenbänken in der Stadt zu lümmeln und das Leben zu genießen. Ja, man könnte fast meinen, uns hätte es in eine Gauloise-Werbung verschlagen, so mediteran geht es plötzlich zu. Auch bei uns da draußen, sehen wir jetzt auf einmal Kinder auf der Straße spielen oder wie die letzten Henker auf Rädern durch die Gegend sausen. Plötzlich sind auch Nachbarn da, die wir bisher immer nur hinter den üppig erleuchteten Fenster erahnen konnten. Sie hämmern nun bis spät abends an ihren Holzterassen rum, die sommerfit gemacht werden oder plaudern übern Gartenzaun. Das Leben kehrt zurück ins Land - herrlich! Saschas Norwegischlehrerin hat ja die These aufgestellt, würde es nicht so viel regnen in Bergen, lebten hier 4 Mil. Tja, vielleicht hat sie recht, denn bei diesem strahlendem Wetter will man doch nirgends anders sein!
Die Gartencenter machen in diesen Tagen sicher dicke Geschäfte. Auch wir haben zugeschlagen. Dahier hier ja alles so teuer ist, haben wir beschlossen: wir werden jetzt Bauern! Im ersten Jahr verzichten wir vorläufig auf dei Viehzucht, obgleich wir einen Hühnerstall von unseren Hausbesitzern geerbt haben. Doch dann, der erste Schock: ein Tütchen Möhrensamen kostet umgerechnet fast 4 Euro. Ob sich das lohnt? Wir waren beinah den ganzen Samstag unterwegs, um Gartenartikel zu besorgen. Ob sich das lohnt? Denn als wir am Abend zurückkehrten, inspzierten wir schlaueweise den Schuppen etwas genauer und entdeckten, eine ganze Sammlung Gartenschaufeln, -hacken,- gräten, -hieben und -schieben (oder wie das Zeug heißt). Jetzt hoffen wir, dass die seit drei Tagen anhaltendende Trockenperiode bald vorbei ist, damit wir nicht mehr so viel gießen müssen. Auf Traktoren und andere landwirtschaftliche Maschinen müssen wir leider verzichten, da unser Grundstück so steil ist und nur über ein kippeliges Treppenarrangement erklommen werden. Bald werden wir die über Flaschenzug betriebene Schubkarre erfinden.
Doch was sich in jedem Fall lohnt in den Kapmfpausen mit dem blöden langwurzeligen Giersch, ist der Ausblick auf das Glitzern des blauen Wassers am Fjord und die guten Gespräche mit den kreischenden Möwen!

Dienstag, 8. April 2008

Ostern

Ostern in Norwegen dauert ein bisschen länger als in anderen Ländern. Nicht nur, dass Donnerstag, Freitag und Ostermontag Feiertage sind, auch schon die Woche vor Ostern arbeitet eigentlich kaum jemand mehr. Stattdessen wird eine Hütte gemietet (bzw. eigene aufgesucht) und Skigefahren.
Wir haben die freie Zeit genutzt und erstmal renoviert. Dann am Samstag beschlossen wir nach Kvamkogen , da ist das nächste ca 1Stunde Autofahrzeit entfernte Skigebiet zu fahren und „lang zu rennen“. (Langlauf heißt hier nämlich „langrenn“)
Bei Sonnenschein genossen wir das wunderschöne Tal von Kvamskogen und unter der Anleitung des Skifans Jeff wateten wir durch Tiefschnee und schossen die steilsten Berge runter. Wobei Geschosse ja in der Regel auch irgendwo einschlagen. Und so auch wir, meist landeten wir am Ende einer Abfahrt im Tiefschnee.Eigentlich recht amüsant, nur Saschas Rücken war der Meinung er müsste diese ungewohnten Strapazen am Samstagabend rächen und hatte die Absicht nichts mehr zum Bewegungsapparat beitragen zu wollen. So saß er dann in unserer Wohnung und wunderte sich, dass es mit dem Aufstehen nicht mehr so klappte.

Am Sonntagmorgen wurde es immer schlimmer mit dem Rückenstreik, und so beschlossen wir das norwegische Gesundheitssystem zu testen. Grad neulich hatten wir ein Schreiben der norwegischen Krankenkasse bekommen, in dem uns ein Hausarzt anbefohlen (norw.: anbefale = empfehlen) wurde, denn jeder Norweger muss sich einen solchen aussuchen, den er dann immer zuallererst aufsuchen muss und von dem er überwiesen wird.

Sonntags und erst recht zu Ostern ist dieser Arzt natürlich nicht aufsuchbar und man muss sich zur Legewacht, der erste Hilfe, begeben. Die nächste ist in unserem Fall in einem Einkaufszentrum in der Nähe. Nette Krankenschwestern, aber der Arzt war noch nicht da und wenn er wiederkommt müsse er erstmal essen. Ja, die heilige norwegische Mittagspause.

Diagnose: Ischias eingequetscht, also lang legen statt lang rennen.Ostermontag hatten wir ein paar Freuden zum Frühstück eingeladen. Doch wie sollte das gehen mit einer durch Renovierung völlig zugebauten Wohnung und einem Sascha, der nur noch liegen konnte und einer Minka, die nicht so gechickt in Esenszubereitungn ist? Lange überlegten wir, die ganze Sache abzublasen. Doch dann entschieden wir uns doch dafür. Minka stemmte die Schränke und Sascha krauchte irgendwie in die Küche. Doch es kam wieder ganz anders: Wir warteten voller Vorfreude auf die Gäste. Bis uns Omar anrief, der uns mitteilte er könne nun doch nicht im Auto mit Jeff und Inger zu uns fahren. Nee, wieso? Na, weil die beiden auf dem Weg sind, endlich ihr Baby zu bekommen! Was für Neuigkeiten! An diesem kalten, sonnigen, völlig verschneiten Ostersonntag kam also Siri auf die Welt, während wir mit den übrigen zwei Gästen das reichliche Essen zu verputzen versuchten. Alle, die sich bewegen konnten, bauten später einen Schneemann im Garten und zertrümmerten Eiszapfen, die von den Felsen hingen, mit harten Schneebällen.

Und weil die Osterferien so schön waren, verlängerte sie Sascha gleich mal mit ner Krankschreibung.

Dienstag, 18. März 2008

Norwegen inner Glotze

Es gibt ständig Sendungen über Norwegen inner Glotze. Sei es Familie Göbel, die versucht nach Norwegen auszuwandern, aber dann doch wieder umkehrt oder Wencke Myhre, die erzählt, wie toll Norwegen ist. Nee, es scheint auch ein paar interessantere Dokumentationen zu geben. Hier ein paar Fernsehtipps:

Heute Mittag auf 3Sat "Bergbauern in Fjord-Norwegen".

Am 22.3. auf rbb um 16.05 Uhr gibt´s was für Eisenbahnfans: "Eisenbahnromantik. Fjorde, Gletscher und Eisenbahn - Kreuzfahrt durch Norwegen" Sicher mit vielen tollen Bildern von den unglaublichen Konstruktionen der Bahn und wie sie sich einen Weg durch das verkehrsunfreundlichen, gebirge Land bahnt.

Am 28.3. auf ARTE um 17.30 Uhr: "Auf nach Europa! Mette, Norwegen", eine französische Dokureihe. Auf die bin ich sehr gespannt, denn was Norwegen mit Europa zu tun haben soll...? Ich habe schon oft das Gefühl, dass Norwegen irgendwie ab vom Schuss ist und so vor sich hinpuzzelt.

Auf einem Sender namens plus (nie vorher gehört) kommen zwei Sendungen am 30.3. :
Einmal: "Norwegen. Leben mit dem Meer - Entlang der Südküste" um 16 Uhr und um 17.40 Uhr "Wintertraum Norwegen".

Für die Krimifans: an Ostersonntag startet die ARD eine Krimireihe, die hier in Norwegen schon sehr populär ist und als Kinofilm produziert wurde. (Wir sind bei einem unserer ersten Ausflüge auf einen der Berge um Bergen herum, in die Dreharbeiten hineingeraten. Polizeiauto, laute Rufe, mitten im Wald!) Ein düster gestimmter Privatdedektiv klärt die Bergenser Verbrechen auf - mit Originalschausplätzen! Die Buchvorlagen stammen von dem inzwischen auch in Deutschland recht bekannten Krimiautor Gunnar Staalesen. Um 21.45 Uhr "Der Wolf". Die Bergenser sind wahnsinng stolz auf "ihren" Krimihelden und betreiben einen wahren Kult darum. Darum passt es ihnen auch gar nicht, dass der Schaupieler, der den Detektiv spielt, nicht den Bergenser Dialekt spricht.
Übrigens habe ich auf Wikipedia gelesen, dass der Ausdruck "varg veum" oder "varg i veum" (Wolf im Tempel) in der urnordischen Sprache die Bezeichnugn war, für jemanden, der aufgrund eines Verbrechens an einer heiligen Stelle (ein Tempel z. B.) geächtet wurde.
Wer mehr über den Auto wissen will, lese hier weiter.
Ein paar Informatione auf Norwegisch zu der Figur Varg Veum gibt´s hier.

Montag, 17. März 2008

Frühlingswetter

Ostern naht und damit natürlich auch die Frage, ob das Wetter es zulässt, dass wir unsere Ostereier im neuen Garten suchen können... ein Blick aus dem Fenster lässt Zweifel aufkommen.
Die sowieso immergrünene Mose, Tannen und Rhododendronbüsche sind mit flauschigen Schneehüten versehen, die ersten aufgeplatzten Knospen der übrigen Pflanzen nicht minder.
Gestern sah unser "Dorf noch so aus:

Heute morgen so:
Aus unserem Wohnzimmerfenster können wir so herrlich beobachten, wie das Wetter in den nächsten Stunden wird. Es geht nach Westen raus, von dort kommen die weißen, die grauen, die blauen, die lila und die orangen Wolken. Vor kurzem zog eine weißen Wand auf mich zu und hüllte alles ein, das Wasser unten kräuselte sich und bäumte sich mit Schaumkronen auf und dann kam der Scheesturm .... spannend! Is besser als Fernsehen! Ich muss aufpassen, dass ich nicht den ganzen Tag vor dem Fenster sitzen bleibe. Schließlich muss ich mich noch um einige Überlebensstrategien bemühen. Das Feuerholz zum Beispiel! (Derjenige, der normalerweise diese Zuständigkeit pflegt, weilt zur Zeit in Berlin. Er hat zwar für ein paar Tage vorgesorgt, aber da es so kalt geworden ist, brauchte ich mehr Holz als erwartet.) Das Holzsägen ist benahe so eine Art "Familiensport" geworden und auch das Kaufen der dafür geeignetesten Geräte. Angefangen haben wir mit der Handsäge, dann kauften wir eine Stichsäge. Die gab jedoch bald den Geist auf und nun wurde es - wie schon an anderer Stelle erwähnt - eine Motorsäge. Wir haben also inzwischen eine ganze Sammlung von Sägen. Ich werde wohl (wie übrigens schon heute früh zum Aufwachen) mit der blöden Handsäge vorlieb nehmen. Die Motorsäge...nee, besser nich...keine Erfahrung.

Wenigstens müsen wir die Ostereier nicht im Dunkeln suchen. Die Tage werden zur Zeit jeweils um ca. 5 Minuten länger. Das ergibt pro Woche eine Tagesverlängerung von ca. 20-30 Minuten!

Übrigens lohnt sich ein Blick auf die Webkameras der Stadt. Besonders schön ist der Blick von Fløyen, dort schaut man direkt runter auf die Stadt. Eine Webkamera für unsere Hütte hier haben wir noch nicht installiert. Dafür gibt´s jetzt diese MAZ hier: Gartenträume in Godvik....